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Herzinsuffizienz-Diagnostik

von: Christoph Fischer

Häufigkeit: stark abhängig vom Alter[1]

 

Männer

Frauen

65 – 74 Jahre

3,7%

2,8%

75 – 84 Jahre

5,5%

6,8%

85 – 94 Jahre

8%

15,7%

  • Jährliche Neuerkrankungen: 1 von 267 Männern, 1 von 345 Fraue
  • Jährliche Sterberate/EW: 1 von 2.500 Männern, 1 von 1.451 Frauen[2]
  • Sterberate nach Hospitalisation wegen HV:  innerhalb 60 Tagen 10%, in 12 Monaten 30%[3]

Screening auf Herzinsuffizienz?

  • gesunde Bevölkerung kein Screening (Grade „B“ Empfehlung)
  • Echokardiographie empfohlen bei
  • symptomatische Personen
  • asymptomatischen Personen mit erhöhtem Risiko[4]

Erhöhtes Risiko

  • kardiovaskuläre Risikofaktoren: Hypertonie, KHK, DM, Nikotin-Abusus
  • asymptomatischen Klappenfehler
  • Familienanamnese für Kardiomyopathie
  • kardiotoxische Exposition:
  • Strahlentherapie im Brustkorbbereich
  • Z.n. Chemotherapie (z. B. entwickelt 1 von 2 Frauen, manchmal erst viele Jahren nach einer Chemotherapie wegen Brustkrebs, eine Herzinsuffizienz[5])

Symptome

  • Atemnot
  • Müdigkeit (inadäquate Erschöpfung nach Belastung)
  • Leistungsminderung
  • Wasserretention

HintergrundINFO: Die Symptome und klinischen Zeichen der chronischen Herzinsuffizienz sind nicht ausreichend spezifisch, um eine zuverlässige Diagnose zu stellen. Durch die empfohlenen Untersuchungen in der Basisdiagnostik kann aber der Verdacht auf eine Herzinsuffizienz weiter erhärtet oder entkräftet werden.[6]

Wichtige klinische Zeichen für Herzinsuffizienz

mit hoher Spezifität

Erhöhter Jugularvenendruck

Fehlt Häufig, sehr Untersucher-abhängig

Alternative: Ultraschall der Vena cava inferior

AM kurz&bündig

Verlagerter Herzspitzenstoß

Fehlt häufig

3 Herzton

Fehlt häufig, sehr Untersucher-abhängig

mittlere Spezifität

Tachykardie > 90-100/Min.

Fehlt bei ß-Blocker-Medikation

geringe Spezitität

RGS auch nach dem Abhusten

Fehlt häufig, sehr Untersucher-abhängig

Periphere Ödeme

Unspezifisch, fehlt u.U. bei Diuretika-Einnahme

Atemfrequenz > 20

unspezifisch

Basisdiagnostik

  • EKG
  • Labor: Blutbild, Na, K, Kreatinin, Bz, SGPT, Harn
  • Echokardiographie

EKG

  • Hypertrophiezeichen: Sokolow-Index, Q-Zacken, ST-T-Alterationen
  • Reizleitungsstörungen: Schenkelblock, AV-Blockierungen
  • Rhythmusstörungen: Bradykardie, Tachykardie, Extrasystolie, Vorhofflimmern
  • Infarktzeichen

HintergrundINFO: Bei einem komplett unauffälligen EKG ist die Diagnose Herzinsuffizienz zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Indikationsabhängige weitere Laborparameter bei Herzinsuffizienzverdacht

Ödeme

Gesamt-Eiweiß, Albumin im Serum

Harnstoff, Kreatinin Clearance

Vorhofflimmern

TSH, FT3, FT4

KHK

Nüchtern-Blutfette

V. a. MCI

Troponin-T, CK

HintergrundINFO: Zur diagnostischen Wertigkeit der empfohlenen Labordiagnostik liegen gegenwärtig keinerlei belastbare Evidenzen vor, siehe besonders BNP nächster Absatz

Keine generelle BNP-Messung im ambulanten Bereich

  • Für die stationäre Versorgung einer unklaren akuten Dyspnoe ist der Nutzen einer BNP- und NT-proBNP-Bestimmung belegt,
  • für den primärärztlichen Bereich fehlen zuverlässige Schwellenwerte zum Ausschluss einer Herzinsuffizienz oder zur Erhärtung des Verdachts.
  • BNP und NT-proBNP-Spiegel werden durch mehrere Faktoren (Alter, Geschlecht, Begleitmedikation, Komorbiditäten, Vorhoffflimmern) beeinflusst
  • daher wird auch der Einsatz von BNP
  • weder zur Risikostratifizierung  
  • noch zum Therapiemanagement empfohlen (NVL 3.3)

Echokardiographie

  • linksventrikuläre systolische Funktion, regionaler Wandbewegungsstörungen?
  • diastolischen Funktion
  • linksventrikulären Wandstärke
  • dopplergestützte Untersuchung auf signifikante Vitien
  • Schätzung des pulmonalarteriellen Drucks
  • Nachweis oder Ausschluss intrakardialer Thromben

HintergrundINFO: die Untersucherübereinstimmung ist stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängig, insbesondere bei der exakten Quantifizierung der Ejektionsfraktion. Bei chronischen Lungenerkrankungen ist die Echokardiographie nur eingeschränkt beurteilbar (10% der Patienten).

Zusammenarbeit Hausarzt – Kardiologe

  • Arztbriefe sollen neben den technischen Angaben eine klare Interpretation dieser Messwerte beinhalten!!!
  • Die Interpretation der echokardiographischen Messwerte durch den Hausarzt wird empfohlen,
  • um wichtige Informationsverluste an der Nahtstelle zwischen hausärztlichem und fachärztlichem Bereich zu vermeiden
  • weiterführende, insbesondere invasive diagnostische Maßnahmen sollen von Hausarzt und Kardiologen gemeinschaftlich geplant werden.
  • Insbesondere sollten die Möglichkeiten einer kausalen Therapie geprüft werden, um eine Chronifizierung der Herzinsuffizienz ggf. zu verhindern: Revaskularisation, Klappenersatz

Thorax-Röntgen

  • Zur Abklärung von Pleuraerguss, pulmonaler Stauung, Kardiomegalie oder differentialdiagnostischen Fragen geeignet
  • Zur Beurteilung der Herzgröße (Kardiomegalie: Herz-Thorax-Quotient > 0,50) hat der Röntgenthorax nur einen orientierenden, deutlich niedrigeren Stellenwert als die Echokardiographie
  • Ein unauffälliger Befund beim Röntgenthorax schließt in keinem Fall eine Herzinsuffizienz aus

NYHA-Klassifikation

Bei Patienten mit nachgewiesener chronischer Herzinsuffizienz soll der aktuelle funktionelle Status initial und im Verlauf mit Hilfe der NYHA-Klassifikation bestimmt werden.

Weiterführende spezifische Diagnostik bei gesicherter Herzinsuffizienz

Therapie der chronischen Herzinsuffizienz

Literatur

[1] Soweit nicht anders angegeben alle Angaben aus: https://www.leitlinien.de/nvl/html/nvl-chronische-herzinsuffizienz/kapitel-1#section-9

[2] https://www.welt.de/gesundheit/article161493922/Das-schwache-Herz-die-unterschaetzte-Volkskrankheit.html

[3] https://www.aerztezeitung.at/fileadmin/PDF/2016_Verlinkungen/State_Herzinsuffizienz.pdf

[4] Evidenzgrad: „Konsensus“

[5] https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD001877.pub5/full#0

[6] Muth C, Gensichen J, Butzlaff M. DEGAM Leitlinie Nr. 9, Herzinsuffizienz. Düsseldorf: Omikron Publ.; 2006 (DEGAM-Leitlinie; 9).

 

erstellt 10-2019