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Welcher Test?

von: Christoph Fischer

PCR

  • PCR-Abstrich kann akute Infektion nachzuweisen.
  • Ein negativer Test kann Infektion nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen (zu niedrige Sensitivität „bestenfalls 95%, in Einzelfällen 70% und darunter“[1])
  • daher muss Test ggf. wiederholt oder mit anderen Untersuchungen kombiniert werden (Thorax-Bildgebung, AK-Testung, s. u.).
  • Ein positiver Abstrich kann auch falsch positiv sein  (Spezifität 98%)

Wann Testen

  • Hohe Viruslast innerhalb der ersten 3-4 Tage nach Symptombeginn, 
  • danach sinkt die Wahrscheinlichkeit für Nachweisbarkeit
  • auch 1-2 Tage vor Symptombeginn kann Virusnachweis gelingen

DEGAM: „Bei der PCR gibt es auch falsch-positive Testergebnisse, die insbesondere bei niedriger Vortestwahrscheinlichkeit (z. B. keine bekannte Infektionsquelle, keine typischen Symptome) vermehrt auftreten. Wie hoch die Spezifität der PCR ist, kann derzeit nicht genau angegeben werden, bisher wurden dazu zu wenig Daten publiziert.“

 

Antikörper – ELISA

  • Antikörper-Test kann akute Infektion nicht nachzuweisen
  • infizierte/erkrankte Patienten entwickeln AK frühestens nach 7 bis 11 Tagen
  • Test daher frühestens zwei Wochen nach Krankheitsbeginn sinnvoll.
  • Viele infizierte Menschen bilden jedoch keine AK,
  • oder diese sind bei milden Verläufen rasch nicht mehr nachweisbar

 

Antigen-Schnell-Tests („bedside-Virusnachweise“)

Schnelltests sollen (Stand 15.10.2020) für die Untersuchung symptomatischer Patienten bei Hausärzten von den Krankenkassen bezahlt werden.[2] Niedrige Viruskonzentrationen werden durch die Test weniger zuverlässig erkannt. Bei symptomatischen Patienten steigt die Viruskonzentration bei Symptombeginn rasch an. Ab diesem Zeitpunkt scheint die Sensitivität der Schnelltests auszureichen.  Diese Tests sind wesentlich kostengünstiger, Resultate sind binnen 15 Minuten in der Praxis verfügbar.

 

COVID-19 Schnelltest

Erläuterung zum Diagramm:

  • obere grob strichlierte Linie Nachweisgrenze der Antigen-Schnelltests
  • untere fein strichlierte Linie Nachweisgrenze der PCR
  • kleine Kreise Häufigkeit der Testintervalle
  • orange Kreise positive Tests
  • grün markiert das kleine Zeitfenster in dem die PCR schon richtig positiv, aber der Schnelltest noch falsch negativ ist (wie groß dieses Zeitfester ist, wissen wir nicht genau, die Zeitskala ist nicht beschriftet. Einer hohe Viruslast findet man innerhalb der ersten 3-4 Tage nach Symptombeginn, somit suggeriert die Grafik eine Lücke gegenüber PCR von Stunden aber nicht von Tagen, möglicher weise liegt diese Phase ohnedies vor dem Symptombeginn)
  • blau markiert postinfektiöse Phase, in der die PCR noch falsch positiv sein kann, der Schnelltest klinisch betrachtet wieder richtig negativ ist.

 

Diese Daten erscheinen hypothesengenerierend: wird der preiswertere Schnelltest in kürzeren Intervallen eingesetzt, könnte er - so die Hypothese - möglicherweise ähnlich gute Resultate wie die PCR liefern.

Antigen-Schnell-Tests in der Primärversorgung

  • Der Einsatz ist derzeit im hausärztlichen Setting nur bei symptomatischen Patienten geplant,
  • bis zur endgültigen Validierung ist zusätzlich eine PCR-Bestätigung positiver Resultate vorgesehen.
  • Ausnahme: positives Antigen-Testergebnis einer symptomatischen Kontaktperson der Kategorie I
  • Bei negativen Antigen-Testergebnissen können Ärztinnen und Ärzte aufgrund eines weiter fortbestehendem klinischen und/oder anamnestischen Verdachtes einen nachfolgenden PCR-Test in Erwägung ziehen.[2]

Literatur

[1] DEGAM-LL Stand S: 14/5

[2] Österreichische Teststrategie SARS-CoV-2 Version vom 13.10.2020

erstellt 18.10.2020