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Cystitis beim Mann

von: Christoph Fischer

Suchbegriffe: Cystitis, Zystitis, Blasenentzündung, Brennen beim Wasserlassen, Prostatitis, Chinolone, Gyrasehemmer, Ciprofloxacin

"auf einen Klick"

 

Häufigkeit: 

  • Junge Männer sind nur sehr selten betroffen: etwa einer von 200 pro Jahr,
  • einer von 20 älteren Männern >75 erkrankt jährlich.
  • Die Hälfte aller Männer hat irgendwann im Leben zusätzlich die Symptome einer Prostatitis.

 

Grundsätzlich sind HWI bei Männern als kompliziert zu betrachten.

 

  Anamnese: 

  • Häufigkeit (wie oft?)
  • Beschwerdebeginn (seit wann?)
  • Schmerzen bei Beginn oder Ende der Miktion?
  • Vorhandensein von Harndrang, Pollakisurie, Nykturie?
  • Harnträufeln, Harnstottern?

Untersuchung:

  • abdominelle
  • genitale
  • digital rektale Untersuchung

 

Diagnose:

  • Die Diagnose eines Harnwegsinfektes bei Männern sollte durch eine Harnkultur gesichert werden.
  • Die Urinkultur dient nicht allein der Diagnose, sondern ist wesentlicher Bestandteil einer gezielten antibiotischen Behandlung. Diese ist notwendig,da es bei Männern häufiger zu einer Mitbeteiligung der Prostata kommt.
  • Eine routinemäßige urologische Diagnostik nach einer Zystitis bei jüngeren Männern (<45 J) wird nicht empfohlen.

Bei Verdacht auf eine benigne Prostatahyperplasie (BPH)

  • Ultraschalluntersuchung  auf bestehende Obstruktion und Restharn
  • Kreatinin

Abwendbar gefährliche Verläufe von Harnwegsinfektionen bei Männern

Bei der bakteriellen Prostatitis handelt es sich um ein potentiell gefährliches Krankheitsbild, die Einweisung sollte erwogen werden.
  • Pyelonephritis (insbesondere in Kombination mit Obstruktionen)
  • Urethritis (Vermeidung einer Chronifizierung)
  • Orchitis, Epididymitis
  • Urosepsis
  • Akute bakterielle Prostatitis
  • Höhergradige Obstruktion (Steine, BPH, verstopfter Urinkatheter)

 

  Therapie:

  • 1. Wahl Amoxicillin+Clavulansäure,
  • oder Biocef®  2x200mg (Cefpodoxim).

 

  • Trimethoprim, ältere Pat. CAVE Hyperkaliämie!(2)
  • Furadantin® (Nitrofurantoin) ist umstritten, es hat eine schlechte Prostatagängigkeit,
  • Chinolone sollten wegen schwerwiegender UAW absoluten Reservestatus haben!(1).
  • Nach Vorliegen des Antibiogramms am Tag 3 sollte die Therapie entsprechend angepasst werden.
  • Die Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie bei älteren Männern wird nicht empfohlen

HintergrundINFO: Eine eindeutige Empfehlung zur Wahl des Antibiotikums kann nicht gegeben werden, da keine entsprechenden Studien vorliegen. In anderen Leitlinien wird empfohlen, die auch bei unkomplizierten Harnwegsinfekten primär eingesetzten Medikamente zu nehmen: Die DEGAM-LL empfiehlt primär empirisch Trimetoprim oder Amoxicillin+Clavulansäure

Warnhinweis Trimethoprim bei älteren Patienten: insbesondere bei älteren Patienten, HIV-Infizierten oder eingeschränkter Nierenfunktion kann Trimetoprim zu Hyperkaliämie sowie Hyponatriämie führen.  Als besonderes Risiko gilt die gleichzeitige Behandlung mit Spironolakton, ACE-Hemmern und Sartanen im Alter. Bei entsprechendem Risiko werden daher Kontrollen der Kalium- und Natriumspiegel empfohlen.(2)

 

  
 

Literatur:

(1)Fluorchinolone Nebenwirkungen EMA.pdf

(2)https://www.arznei-telegramm.de/html/htmlcontainer.php3?produktid=048_01&artikel=1805048_01k

Antibiotikaempfehlungen verschiedener Leitlinien

DEGAM-Leitlinie Langfassung

erstellt 2018

Review: Lisa Fischer