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Asthma-COPD-Overlap (ACO)

von: Christoph Fischer

Häufigkeit: 27% der COPD-Patienten, somit stellt ACO ein versorgungs-relevantes Problem dar[1]

Die Unterscheidung eines Asthma-COPD-Overlap von einer COPD ist wichtig!

  • Eine Monotherapie mit inhalativen Beta-2-Sympathomimetika als Dauertherapie,
  • die bei der COPD sicher und effektiv ist,
  • kann bei Asthma die Symptomatik und Mortalität steigern[2]
  • Außerdem verstärken Beta-Blocker bei ACO die bronchiale Obstruktion[3]

Kriterien, die für ein Asthma-COPD-Overlap sprechen

  • Alter > 40, aber Symptome seit der Kindheit oder Jugend
  • Symptome mit wechselnder Ausprägung, darunter auch belastungsinduzierte Atemnot
  • Atemflusseinschränkung variabel, nicht voll reversibel
  • Anamnestisch Allergie, Asthma, familiäre Belastung, aber auch Exposition einer Noxe
  • Symptombesserung unter Therapie, jedoch Progression der Atemwegsobstruktion und
  • hoher Medikamentenbedarf
  • Gehäufte Exazerbationen
  • Eosinophilie und/oder Neutrophilie im Sputum[4]

Klinische Verdachts-Diagnose

  • Bei einer obstruktiven Atemwegserkrankung,
  • die nicht sicher einem Asthma oder einer COPD zuzuordnen ist,
  • soll die Diagnose eines Asthma-COPD-Overlap (ACO) gestellt werden,
  • um eine Fehlversorgung der betroffenen Patienten zu vermeiden.[5]

HintergrundINFO: Als typisches Beispiel hierfür nennt die LL den allergischen Asthmapatienten mit Atembeschwerden seit der Kindheit, der Jahrzehnte lang geraucht und eine teilreversible Bronchialobstruktion und Emphysem entwickelt hat.[6]

Diagnostik

Spirometrie

Kriterien der COPD und:

  • Tiffeneau <70%
  • Broncholyse-Test  Zunahme 15% und 400ml ACO gesichert
  • Broncholyse-Test Zunahme 12% und 200ml ACO sehr wahrscheinlich (12)

Obstruktion durch ß-Blocker?

  • Spirometrie vor Verordnung eines ß-Blockers
  • Kontrollmessung nach Therapiebeginn
  • bei Abfall FEV1 dringender Verdacht auf Asthma-COPD-Overlap

Reversibilitätstestung unter Therapie mit Glucocorticosteroiden

  • zweimal tägliche Inhalation einer hohen ICS-Dosis (z.B. 2x500mcg Fluticason) über mindestens 4 Wochen
  • Reversibilitätskriterium: Anstieg FEV1 um 15% oder 200ml[1]

Metacholin-Test

  • Die Überempfindlichkeit der Atemwege ist ein charakteristisches Merkmal des Asthmas.
  • der Test ist zwar sehr sensibel
  • kann aber bei COPD ebenfalls positiv ausfallen s. Asthma - Diagnostik /Provokations-Tests

 

Therapie: ICS, LABA bei Asthma, COPD, ACO

GINA  S: 92 Asthma COPD ACO
ICS-Monotherapie IND KI IND (meist nicht ausreichend)
LABA-Monotherapie KI IND KI
Kombination ICS-LABA IND IND IND

 

Therapieprinzipien die bei ACO nicht sinnvoll sind

  • Beta-Blocker systemisch
  • Monotherapie mit lang wirksamen Beta-Mimetika

HintergrundINFO:

Wirkung von ß-Blockern auf die Lunge: Kardioselektive Betablocker wie Metoprolol und Bisoprolol wirken nur relativ  β1-selektiv, bei höheren Dosierungen haben auch sie einen hemmenden Einfluss auf β2-Rezeptoren.[8] Die ß2-Blokade führt zur Ausschüttung von Acetylcholin in der Lunge. Bei Lungengesunden wird der Anstieg von Acetylcholin und damit eine Verengung der Bronchien über eine Stimulation von Autorezeptoren gebremst.[9] [10] Dadurch verursachen ß-Blocker beim Gesunden kein Asthma. Bei bronchialer Hyperreaktivität (dies betrifft Patienten mit Asthma, ACO, und anstrengungsinduziertem Asthma) fehlen die Acetylcholin-Autorezeptoren, bei diesen führt bei Ausschüttung unter Beta-Blockern zu einer Verengung der Bronchien, die Lungenfunktion verschlechtert sich.

Wirkung von bronchialerweiternden ß-Stimulanzien auf die Lunge: Ein Asthma-Anfall lässt sich durch Inhalation von Salbutamol, einem bronchialerweiternden Wirkstoff (ß-Stimulans) sofort beenden. Bei längerer Therapie mit solchen Sprays wird dieser protektive Effekt aber deutlich schwächer. Man sieht nach längerer Anwendung von ß-Stimulanzien sogar eine gestiegene Empfindlichkeit gegenüber Allergenen. Die dauernde Monotherapie mit bronchialerweiternden Sprays (ohne ICS) führt bei Asthma und Asthma-COPD-Overlap zu einer Verschlechterung der Asthma- und ACO-Kontrolle[11]

 

Literatur

 

[1] https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-002l_S3_Asthma_2018-09.pdf  Abschnitt 2.10

[2] https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-009l_S2k_Asthma_Diagnostik_Therapie_2017-11_1.pdf S: 15

[3] darf man Augentropfen inhalieren?

[4] Soweit nicht anders angegeben beziehen sich alle Aussagen zur ACO-Seite auf: GINA/GOLD. Diagnosis of Diseases of Chronic Airflow Limitation: Asthma, COPD and Asthma-COPD Overlap Syndrome (ACOS). 2014 © Global Initiative for Asthma

[5] ebenda

[6] https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-009l_S2k_Asthma_Diagnostik_Therapie_2017-11_1.pdf S: 29

[7] https://www.lunge-zuerich.ch/de/lunge-luft/lunge/COPD/copd-diagnose/?oid=123&lang=de

[8] Morales, D. R., Jackson, C., Lipworth, B. J., Donnan, P. T., & Guthrie, B. (2014). Adverse Respiratory Effect of Acute β-Blocker Exposure in Asthma. Chest, 145(4), 779–786. doi:10.1378/chest.13-1235 

[9] Sie dienen als Teil einer negativen Rückkopplungschleife innerhalb der Signaltransduktion (Wikipedia)

[10] https://www.lecturio.de/magazin/vegetative-autoregulation-und-desensibilisierung/#autohemmung

[11] https://www.i-med.ac.at/pharmakologie/pharmainfo/info9-4.html

(12) http://ginasthma.org/download/317   S: 97

erstellt 9-2019